Über Volks*tanz*forschung*

Tanz als körperliche Ausdrucksform kann mit Freude, Freiheit, Emanzipation und vielem mehr verbunden werden. Im Tanz als kulturellem Marker liegt aber auch das Potenzial politischer Instrumentalisierung. Durch die Kontrolle der Bewegung der/des Einzelnen kann Tanz als performative Verkörperung von Ideologien fungieren. Daher ist mir eine kritische Auseinandersetzung mit Volks*tanz*geschichten aus interdisziplinärer (Tanzwissenschaft, Zeitgeschichte und Anthropologie) und transdisziplinärer (Wissenschaft und Kunst) Perspektive ein großes Anliegen. Im Folgenden möchte ich Forschende zu Wort kommen lassen, die in meinem bisherigen Prozess wichtig waren, da sie mir Denkräume ermöglichten und mich ermutigten mir komplexe Verflechtungen genauer anzusehen.

Volks*

„Abgesehen davon, dass man heute […] mit dem Volkstanz zumeist das Traditionelle […] assoziiert, ist es gerade jene Affinität zum Nationalismus und der Begriff des „Volkes“, die diese Tanzform politisch bedenklich erscheinen lassen. Als solches befindet sich der Volkstanz aber gerade an einer Schnittstelle, an der Fragen nach der Definition und Konstitution von Identität, Regionalität, Zentralismus und Nationalismus im Tanz virulent und verhandelbar werden.“

— Yvonne Hardt: Re/Inszenierung lokaler Identität


Volks*tanz*

„Die allfällige Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit aber macht deutlich […], dass erstens jener überaus uneinheitlich definierte ,Volkstanz‘ immer irgendwie politisch ist und nur in seinem historischen Kontext verstanden werden kann; zweitens, dass das Zusammendenken von politischer Ideologie und Volkstanz in der deutschen Tanzwissenschaft bislang ein Desiderat geblieben ist.“

— Hanna Walsdorf: Bewegte Propaganda. Politische Instrumentalisierung von Volkstanz in den deutschen Diktaturen


Forschung*

„Daher erscheint mir der beste Ansatz darin zu bestehen, ein Problem zu formulieren, dieses Problem zu reflektieren und dann einen neuen Fokus für dieses Problem zu erarbeiten. Diese Tätigkeit ist nicht unbedingt durch die Aneignung von Wissen oder neuem Wissen motiviert, sondern von Wissbegier/Neugier und dem Begehren, etwas in Bezug auf das Material oder Feld, das untersucht wird, zu erfahren.“

—V. Royo, J. Sánchez, C. Blanco: In-definitions. Forschung in den performativen Künsten


Quellen

Yvonne Hardt: Re/Inszenierung lokaler Identität, In: Yvonne Hardt, Kirsten Maar (Hg.): Tanz, Metropole und Provinz, Hamburg 2007, S. 87-99, hier: S. 88.

Victoria Pérez Royo, José A. Sánchez, Cristina Blanco: In-definitions. Forschung in den performativen Künsten, In: Sibylle Peters (Hg.): Das Forschen aller. Artistic Research als Wissensproduktion zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft, Bielefeld 2013, S. 23-46, hier: S. 28.

Hanna Walsdorf: Bewegte Propaganda. Politische Instrumentalisierung von Volkstanz in den deutschen Diktaturen, Würzburg 2010, S. 9.