Arbeiten

Foto: Dominik Unger

einmal hin, einmal her (2016)

einmal hin, einmal her ist eine Lecture-Performance in der die unterschiedlichen Narrative des österreichischen Volkstanzes beleuchtet werden. Am Anfang stehen die Erzählungen von Josefa Unger, über Volkstanzauftritte in den 1950ern, die ihr die Möglichkeit boten der dörflichen Enge des Waldviertels zu entfliehen. 60 Jahre später werden die damals vorgeführten Gruppentänze von einer Performerin als lebendige Artefakte ins Tanzstudio getragen, wo sie eine befremdliche, ja fast exotische Wirkung erzeugen. Über die Publikumswirksamkeit dieser Tänze wussten auch die National-sozialistInnen Bescheid, die den Volkstanz zu Propagandazwecken instrumentalisierten. Auch im Österreich der Nachkriegszeit wurden Volkstänze zur gezielten Stärkung des nationalistischen Bewusstseins eingesetzt und damit die Opferthese Österreichs reproduziert. Zur selben Zeit waren die Volkstanzaktivitäten für Josefa Unger aber eine der einzigen Möglichkeiten sich von zu Hause zu emanzipieren…
Das Format der Lecture-Performance wird in einmal hin, einmal her als künstlerische Strategie genutzt, um sich im komplexen und ambivalenten Geflecht aus physischen, familiären und kollektiven Erinnerungen einen Weg ins heute zu bahnen.
Konzept/ Choreografie/ Performance: Laura Unger
Dramaturgische Unterstützung: Désirée Meul
Koproduktion: Tanzquartier Wien
Unterstützung: START-Stipendium BKA Österreich
Dank an: Josefa Unger


Volkstanz als Waffe (2016)moderne-szenerien

Der Artikel Volkstanz als Waffe- Politische Instrumentalisierung und die Rolle der österreichischen Wissenschaft beschäftigt sich mit der Rolle der Wissenschaft in der politischen Instrumentalisierung des Volkstanzes und untersucht die Netzwerke der österreichischen Volkstanzforschung anhand dreier wissenschaftlicher Karrieren. Erschienen als ebook im Podium Verlag.

Autorin: Laura Unger
Herausgeberinnen: Nicole Haitzinger und Franziska Kollinger

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Projekt HAYMAT (2015)

Unter der Leitung von Aysel Ateş, Ruken Ersalan und Laura Unger entwickelte die kurdische Tanzgruppe Koma Raperîn eine Performance, die sich zwischen den verschiedenen Zuschreibungen wie traditionell, zeitgenössisch, Heimat und Exotik bewegt. Vier Tänze wollen auf unterschiedlichste Art die Aufmerksamkeit des Publikums erregen: Zu Beginn versucht die oberösterreichische Sternpolka mit ihrer sprunghaften Ordnung zu überzeugen. Weiters bringt die zeitgenössische Choreographie von Cinira Macedo die ZuseherInnen von einer weichen Seenlandschaft in ein rauhes, steiniges Klima. Der kurdische Kriegstanz Cepke geht über in den kurdische Hochzeitstanz Ninni- zwei  mitreißende Tänze, die kraftvoll das Leben zelebrieren. Und schlussendlich gibt es Polka und Halay für Alle.

Choreografie: Aysel Ateş, Ruken Ersalan und Laura Unger
Performance/Tanz: Koma Raperîn
Performance/Musik: Ruken Ersalan, Ibrahim Gürbüz und Laura Unger


Dance as protest (2015)

Dance as protest ist eine Sammlung von Online-Videoaufzeichnungen, die Volkstänze als Protestform im Kontext verschiedenster Demonstrationen und Besetzungen dokumentieren, z.B. tanzten 2006 Demonstrant_innen den Paartanz Pizzica vor dem Vatikan um für LGBT-Rechte zu kämpfen, 2012 wurde der Reihentanz Andro im Protestcamp la ZAD in Frankreich getanzt um sich einer Polizeiräumung zu widersetzen, 2013 tanzte man den Reihentanz Halay um die Zerstörung des Gezi-Parks zu verhindern und 2015 aus Protest gegen Regierung und Strompreiserhöhungen wurde Kochari im Kreis getanzt. Mich interessierte der Aspekt der politischen Bewegung als physische Bewegung und die ambivalente Wirkung von kollektivem Protestieren und Volkstanzen: Einerseits löst die gemeinsame Ausführung von einfachen, physischen Aktionen (z.B. Demonstrieren oder Kreistanzen) in körperlicher Nähe zu Mitmenschen ein berauschendes Gefühl von Kollektivität aus. Andererseits erzeugt die Synchronisierung der Bewegung mit häufig eingesetzten Mitteln wie Musik, Gesang, Sprache, Symbolen, Flaggen und Kleiderordnung ein unheimliches Bild der Vereinheitlichung.

Ich entschied mich für einen Weblog mit Zugangsbeschränkungen, weil es sich bei den Videos um teilweise sensibles Material handelt. Da ich mich mit den einzelnen Regionen weder politisch- noch tanzgeschichtlich im Detail auskenne, hoffe ich mit Interessierten und Aktivist_innen und Forschenden in Gespräch kommen zu können.

www.danceasprotest.tumblr.com (Passwort bei Interesse bitte via Email erfragen!)

Bild von Yorgos Konstantinou (www.imagistan.com)


Schuhplattler (2013)

Die Drei-Minuten-Performance Schuhplattler beschäftigt sich mit der Kontextabhängigkeit von „heimatlichen“ Symbolen. Als Ausgangsmaterial dient ein Dokumentationsvideo vom Trachtenverband Edelweiß Niederaschau, in dem der Chiemgauer Gruppenplattler getanzt wird. Anna Lena Lehr und Laura Unger entwickelten aus dem Bewegungsmaterial eine Performance für vier Performerinnen und einer Gesangsgruppe.
Konzept: Laura Unger
Choreografie: Anna Lena Lehr und Laura Unger

Performance im obigen Video: Miriam Jakob, Anna Lena Lehr, Lee Meir, Annegret Schalke, Stine Frandsen, Marc Philipp Gabriel und Kareth Schaffer

 


OMA 80 (2011)

Die Videoarbeit Oma 80 stellt sich die Frage nach der Konstruktion von Tradition und deren Vermittlung. Die Arbeit entstand im Rahmen eines Workshops am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin. Anlass der beginnenden Auseinandersetzung mit dem Thema der Volks*tanz*forschung war der achtzigste Geburtstag von meiner Großmutter, Josefa Unger. In mehreren Interviews erzählte sie von ihrer Passion fürs Volkstanzen und ihrer Teilnahme an einem Volkstumspflegekurs in den 1950er Jahren. Der von Josefa Unger ebenfalls beschriebene Tanz Siebenschritt wurde mit der anwesenden Geburtstagsgesellschaft im Januar 2011 erlernt und aufgeführt. Diese Situation wurde ein Jahr später mit Studierenden und Lehrenden des HZT in Berlin rekonstruiert.
Konzept und Realisierung: Laura Unger